Weiblichkeit- von Hand gestickt- Versuch über Farben, Frauen, Freude und den roten Faden

Ein Bild aus meiner Kindheit:

Meine Mutter- eine tatkräftige und strenge Frau- sitzt im Sessel unseres Wohnzimmers und stickt. Ruhe geht von ihr aus. Sie erscheint voller Hingabe an ihre Handarbeit.

Aus heutiger Sicht würde ich es als ihre „spirituelle Praxis“ beschreiben.

Als hart arbeitende Frau in einer leitenden Position, 4 Kindern und einem schwierigen Ehemann, fand sie Ruhe, Freude und Verbindung, wenn sie mit Nadel und Faden Stoffe Kissen, Decken, Kleidungsstücke gestaltete, meist streng nach Muster. 

Wenn ich mich als Kind daneben setzte, fühlte ich mich sicher und gut aufgehoben

Noch heute fühle ich eine Verbindung mit meiner Mutter und vielleicht mit allen meinen Ahninnen, wenn ich selber Kleider nähe und sticke. Ich benutze, nicht wie sie, Vorlagen und bin alles anderen als eine perfekte Handarbeiterin, aber ich liebe farbige Stoffe! Anders als meine Mutter improvisiere ich so lange, bis ich etwas gestaltet habe, das mir gefällt. Ich erinnere mich, dass ich einst für meine Tochter begann, eine Hose zu nähen und das Ergebnis am Ende eine (sehr lustige) Jacke war.

 

Allerdings beschleicht mich, wenn ich es tue, auch ein leises (maskulines) schlechtes Gewissen:
Es geht langsam, es hat kein konkretes Ziel, es scheint nutzlos, unbedeutend , antiquiert und passt so gar nicht in ein modernes weibliches Erfolgskonzept.

Ich fand die Ankündigung eines Stickkurses hier in Berlin und buchte ihn kurzerhand.
An einem Sonntagnachmittag fand ich mich mit zwölf wesentlich jüngeren Frauen um einen großen Tisch sitzend im hipsten Trendquartier.
Nicht nur das Alter der Teilnehmenden erstaunte mich, sondern auch die Tatsache, dass sie ausnahmslos in akademischen Berufen oder wissenschaftlich tätig waren.
Auch die Kursleiterin war nicht, wie man annehmen könnte, eine ältere Dame, sondern ein junges Mädchen aus Bosnien. Sie hatte das Sticken von ihrer Großmutter gelernt, Architektur studiert und dann festgestellt, dass rechte Winkel und gerade Linien doch nicht ihr Metier waren.

Gespannt lauschte ich ihren Plaudereien, während die meisten zum ersten Mal unsicher einfache Stiche ausprobierten. Sie sprachen über ihren Überdruss an ständiger Kopfarbeit, die Nackenschmerzen vom stundenlangen Starren auf einen Bildschirm, ungelebte Kreativität, Karrieredruck.

In der Mitte des Tisches lag ein Berg bunten Garns, den wir alle gleich nach unserer Ankunft entzückt fotografiert hatten. Je nach Motiv zogen wir sorgfältig farbige Fäden heraus, um sie zu Blumen, Mustern oder Wörtern zu versticken.

Vielleicht fühlten wir eine geheime Resonanz mit unserer Innenwelt:
ein Netzwerk, ein Geflecht von Gedanken und Emotionen, schön und wild, aber verwirrend und schwer kontrollierbar, ohne Anfang und Ende, rechte Winkel oder Geraden.
Welch wunderbarer Kontrapunkt zur Eindimensionalität streng logisch- analytischen Denkens!

Tatsächlich stimulieren wir, wenn wir sticken, die sensiblen Reflexzonen in unseren Fingerspitzen. Die Nadel zu halten ist identisch mit dem „Gyan Mudra“ aus der yogischen Praxis. Es wird während der Meditation benutzt und stimuliert unser Gefühl von innerem Frieden, Ruhe und Weisheit.
Und so legte sich das Geplauder rund um den Tisch bald zugunsten einer konzentrierten Stille.

Am Ende des Kurses hatte ich eine alte Bluse für meine Tochter mit Blumen bestickt, eine Art Staffelstab für die nächste Frauengeneration.

Nun sind Stricken, Häkeln und Sticken wirklich nicht jeder Frau´s Sache. Für manch eine mag sich das Anfühlen, als sei sie aus der Zeit gefallen.
Möglich ist zwar, dass Handwerk und Handarbeit bald wieder im Aufwind sind. Interessant ist aber, was uns Frauen, die mit beiden Beinen in anspruchsvollen Berufen und Ausbildungen stehen, in diesen Kurs getrieben hatte.

Und hier sind meine Annahmen:

 

1. Mit Frauen in einem Kreis zu sitzen, sich auf Augenhöhe auszutauschen und zu lachen, fern von dem Anspruch, ein perfektes Ergebnis erbringen, zu gefallen oder ein Ziel erreichen zu müssen, fühlt sich nährend, lustvoll und warm an.

2. Die Hände gebrauchen, weiches Gewebe halten, sich an Farben zu freuen, die Sinne gebrauchen und etwas sichtbar Schönes zu schaffen ist die wohltuende Gegenthese zu einseitiger kognitiver Beanspruchung.

3. Kreativ sein, spielerisch gestalten, den Alltagsdingen jenseits von Massenware einen persönlichen unverwechselbaren Touch verleihen, ist ein weibliches Urbedürfnis.

Kurz gesagt:

Das Bedürfnis danach, unsere feminine Energie zu entdecken und zu leben, ließ uns gemeinsam zu Nadel und Faden greifen.

Bleibt die Frage, wie wir diese jenseits eines Stickkurses in unserem Alltag leben können,
um uns lustvoller, sinnlicher und als ganze Frau zu erleben.

Falls du dich gerade ein wenig hölzern und erschöpft fühlst, solltest nicht zwingend auf, zur Stricknadel zu greifen, aber vielleicht:

– einen großen Blumenstrauß ins Zimmer stellen
– ein farbiges Kleid anziehen und nach deiner Lieblingsmusik tanzen
– deine Freundinnen einladen
– Tagebuch schreiben
– kochen!

und alles tun, was scheinbar unbedeutend und ziellos erscheint, aber deiner Schönheit Ausdruck verleiht.

Die Welt braucht das!

cordula böhm
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